Im 9. Saisonspiel in der Super League gegen den Schweizer Meister, FC Thun, zeigte der FC Vaduz Höhen und Tiefen. Trotz eines Chancenplus in der ersten Halbzeit lagen die Residenzler durch ein Tor von Dursun 0:1 zurück (33.).
In der zweiten Halbzeit folgte der zweite Nackenschlag, denn Reichmuth stellte auf 0:2 (49.). Dennoch erholte sich der FCV kurzfristig und kam dank Monsberger auf 1:2 heran (73.), doch zu einem Punktgewinn reichte es nicht mehr, obwohl einige Hochkaräter liegen blieben. Letztlich resultierte zwar eine unnötige Niederlage, doch für einmal patzte der FCV im Abschluss und zeigte eine sehr hohe Anfälligkeit nach Ballverlusten. Es ist eine Niederlage, die unter dem Strich schmerzt, weil auch Thun keine starke Leistung zeigte. Schläfriger Start und Rückstand.
Gegenüber dem Spiel in Zürich nahm FCV-Trainer Schneider nur eine Mutation vor: er ersetzte den damals stärksten FCV-Akteur, Torhüter Büchel, und erteilte wiederum Stammkeeper Schaffran das Vertrauen. Die beiden Teams agierten in den Startminuten vorsichtig, liessen sich nicht auf grosse Risiken ein und deshalb erstaunte nicht, dass es in der Startviertelstunde hüben wie drüben keinen einzigen Torabschluss gab. Die Gäste sorgten mit viel Störarbeit dafür, dass der FCV nicht beliebig kombinieren konnte, trotz einer englischen Woche für die Gäste gab es optisch keine Defizite bezüglich Spritzigkeit: «Wir spielten mit fünf Akteuren, die nur 45 Minuten gegen Servette gespielt hatten. Wir haben uns gut durchgepusht; es ist speziell, so intensiv zu spielen. Leider hat es in dieser Woche dreimal eingeschlagen mit Verletzungen», bemerkte Gästetrainer Gian-Luca Privitelli.
Schliesslich scheiterte Saiz nach einem Rückpass am stark reagierende Torhüter Schaffran (17.). Ein Reichmuth-Schuss zischte weit neben das Tor (18.) und danach kam das erste
Lebenszeichen beim Gastgeber: Ein Stark-Ablenker fiel harmlos und vor allem zentral aus (23.), derweil ein Mack-Knaller an der Gästeabwehr abprallte (25.). Schliesslich folgte die stärkste FCV-Phase, wobei Lang das Kunststück zustande brachte, den Ball aus 4 m an die Querlatte zu dreschen und 20 Sekunden später den Ball aus spitzem Winkel übers Tor zu jagen (28.). Den nächsten FCV-Vorstoss, einem Cosic-Querpass, fehlte ein Abnehmer im Zentrum (30.). Und wer die Tore nicht macht, kassiert sie, diese Weisheit bewahrheitete sich: Dursun «spazierte» durchs Zentrum und schoss die Gäste in Front (0:1). Die Reaktion fiel verhalten aus. Cabrera jagte den Distanzschuss über den Kasten (37.) und ein Simani-Kopfball fiel harmlos aus (46.+), derweil Thuns Reichmuth einen Schlenzer knapp neben das Tor setzte (45.). Letztlich eine schmeichelhafte Gästeführung; der FCV musste sich den Vorwurf der fehlenden Effizienz machen. Hohe Konteranfälligkeit nach dem Tee.
Zur Halbzeit gab es keine Mutationen und Cocic gelang der vermeintliche Ausgleich, doch der Ref sah im Vorfeld ein Foul (48.). «Das aberkannte Tor war ein strenger Entscheid. Etwas das gepfiffen werden kann. Es war kein krasses Vergehen von Mack. Fragwürdig ist, dass der Ref zuwartet, bis der Ball im Tor ist. Es wirft Fragen auf«, ärgerte sich FCV-Trainer Marc Schneider.
Stattdessen gewährte die FCV-Defensive den Gästen zu viel Freiraum: Dursun legte quer auf Reichmuth, der schlenzte den Ball ins lange Eck (0:2). Die Partie schien gelaufen zu sein, denn in der Folge kam es zu einer hohen Vaduzer Konteranfälligkeit. Zudem köpfelte Lang aus 6 m daneben (54.) und Schaffran stoppte Reichmuth (55.), der zudem den Ball neben das Tor schoss (59.). Schliesslich schien sich der FCV zu erholen: Dalipi brachte den Ball nicht unter Kontrolle (61.), Lang klärte einen Reichmuth-Schuss (62.), Schwizer klärte auf der Torlinie (71.) und Monsberger jagte den Ball weit neben das Tor (63.). Auf Dalipi-Zuspiel verkürzte Monsberger per Kopf auf 1:2, somit war der Glaube auf einen Punktgewinn plötzlich wieder vorhanden.
Djokic, der für etwas Belebung sorgte, entschied sich für einen falschen Rückpass (81.), Monsberger köpfelte in bester Position daneben (83.) und Cocic jagte seinen Schuss neben den leeren Kasten (90.). «Diese Chance war von Djokic gut vorbereitet, das hätte den Ausgleich bringen müssen», fügte Schneider an.
Trotz dieser Vorstösse musste der FCV auch das Glück beanspruchen. Fehr schoss weit daneben (86.), schoss zudem den am Boden liegenden Mitspieler Labeau an (94.) und Schaffran stoppte Christoffersson in extremis (89.). Letztlich resultierte zwar eine unnötige Niederlage, doch ein weiteres Mal fehlte die Effizienz im Abschluss sowie das Umschaltspiel. In jener Hinsicht waren die Gäste abgeklärter.
FCV-Trainer Schneider: «Die Niederlage schmerzt»
An der Medienkonferenz nach dem Spiel fielen die Einschätzungen der Trainer Gian-Luca Privitelli (FC Thun) und Marc Schneider (FC Vaduz) ähnlich aus. «Wir hatten gute Ballgewinne, es gab zu wenig im Block. Der FCV ist gut im Ballbesitz, sie spielen gut und wir hatten eine Phase zwischen der 20. und 35. Minute, da hätte der Ausgleich kommen müssen. Danach sind wir gut aus der Pause gekommen, wobei wir im Finish nochmals leiden mussten. Ein Unentschieden hätte dem Gezeigten entsprochen», so Privitelli.
«Mein Kollege hat das Spiel gut zusammengefasst. Zu Beginn hat Thun gut gepresst. Am Schluss ärgern wir uns über die Naivität beim 0:1, aus den vielen Möglichkeiten hätten wir mehr herausholen müssen. Die Niederlage schmerzt, denn grundsätzlich haben wir gute Phasen gehabt, aber die entscheidenden Sachen zu wenig gut gemacht», befand Schneider.
Telegramm: FC Vaduz – FC Thun 1:2 (0:1)
Rheinpark Stadion, Vaduz. 3’033 Zuschauer. Schiedsrichter Zrinko Prskalo (Sz), assistiert von Matthias Sbrissa und Nicolas Müller (Sz).
FC Vaduz: Schaffran; Nicolas Hasler (ab 88. Walker), Lang (ab 74. Beeli), Simani, Schwizer (ab 80. Sawadogo); Mack; Stark, Cocic, Cabrera (ab 74. Djokic); Dalipi, Monsberger.
FC Thun: Steffen; Bamert, Zoukit (ab 87. Passavant), Strannegard (ab 68. Mambwa); Dähler, Roth, Käit (ab 68. Maier); Reichmuth (ab 78. Fehr), Saiz; Dursun (ab 68. Christoffersson), Labeau.
Tore: 0:1 33. Furkan Dursan; 0:2 49. Nils Reichmuth; 1:2 73. Marcel Monsberger.
Bemerkungen: FCV ohne Berisha (nicht im Aufgebot), Eberhard, Sorgic, Akhalaia, Neelakandan, Öhri und Stephan Seiler (verletzt); Thun ohne Bürki (gesperrt), Bürgy, Montolio, Gutbub, Mats Seiler (verletzt), Balaruban und Braschi (nicht im Aufgebot). Lang trifft die Querlatte (28.). Verwarnungen für Zoukit (32. – Foul), Bamert (39. – Foul), Roth (67. – Foul) und Cocic (78. – Foul). Ecken: 3:7 (2:3).
Bildlegende: Die beiden Trainer Gina-Luca Privitelli (li – FC Thun) und Marc Schneider (re – FC Vaduz) an der PK nach dem Spiel mit dem FCV-Medienverantwortlichen Noah Gross. (Bild: EH)













