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Interview Johannes Kaiser, Landtagsabgeordneter                                                              

  • Lieber Johannes, die Aufhebung der direkten Busverbindung zwischen Schellenberg und Ruggell im Zuge des Fahrplans 2026 hat für einigen Unmut gesorgt. Sie haben sich im Landtag vehement für die Wiedereinsetzung starkgemacht. Was bedeutet die nun in Aussicht gestellte Reaktivierung konkret für die Pendlerinnen und Pendler im Unterland?

Johannes Kaiser: Ohne Kommunikation und vorgängiger Information wurde die ÖV-Verbindung «Schellenberg-Ruggell» mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2025 nach über 40-jährigem Bestehen, wie mir die treuesten, langjährig im Einsatz stehenden Busschauffeure mitteilten, von der LIEmobil gecancelt. Es folgten in erster Linie von mir und Eva Maria Nicolussi-Vogt (Gemeinderätin Schellenberg) zahlreiche Interventionen in Form von Zeitungsberichten, Social-Media-Posts, einer Unterschriftensammlung, einer Petition der Gemeinde, um die möglichst rasche Wiedereinführung der Linie 32 zu erreichen. Vielen Einwohnerinnen und Einwohnern von Schellenberg und auch Ruggell stiess diese krasse Benachteiligung und dieses Abschneiden von der direkten Verbindung zweier Gemeinden sehr sauer auf. Mit der Ankündigung der Wiederaktivierung der Busverbindung Schellenberg-Ruggell wird nichts anderes als der Grundversorgungsauftrag sowie die Service-Public-Leistung auch den Bürgerinnen und Bürgern an der Peripherie unseres Landes gewährleistet.

  • Sie haben in Ihrer Kleinen Anfrage betont, dass es sich hierbei um eine Frage des Service public und der Grundversorgung handelt, nicht um ein reines Ortsbus-System. Wo sehen Sie die Hauptverantwortung dafür, dass solche Verbindungen überhaupt erst gekappt werden?

JK: Dass sich der Einsatz für die Einwohnerschaft von Schellenberg gelohnt hat und es ein berechtigtes Anliegen von Jung und Alt aus Schellenberg und auch der Gemeinde Ruggell ist und war, die Linie 32 wieder als direkte Verbindung von Schellenberg-Ruggell wieder zu befahren sowie eine attraktive ÖV-Verbindung für Jung und Alt in die Realität zurückzuholen, zeigten die Beantwortungen von gleich drei Kleinen Anfragen im September-Landtag sehr deutlich. Eine Kernaussage der Regierung bestätigt exakt die Forderung sowie das Hauptargument von uns Schellenbergern, dass nämlich die Verbindung von zwei Gemeinden zum Grundversorgungsauftrag der LIEmobil gehört, und die LIEmobil für die Erfüllung dieses ÖV-Grundversorgungsauftrages auch einen Staatsbeitrag von 18.5 Millionen Franken erhält. Das zentrale Zitat in der Beantwortung der Regierung, Verkehrsminister Daniel Oehry, lautet: «… es besteht die Tatsache, dass diese Linie 32 zwei Gemeinden verbindet, was im Auftrag der LIEmobil tatsächlich enthalten ist.»

Politische Steuerung und LIEmobil

  • In der Antwort der Regierung wurde auf Wirtschaftlichkeitsquoten und Fahrgastzahlen verwiesen. Wie stark darf der Rotstift bei Rand- und Verbindungsregionen angesetzt werden, wenn gleichzeitig von der Förderung des öffentlichen Verkehrs gesprochen wird?

JK:  Natürlich gibt es auch Wirtschaftlichkeits- und Umweltschutzkriterien, die jedoch – wenn sie dermassen extrem angewendet werden, bei allen Linien mit derselben Konsequenz angewendet werden müssten. Wäre dies so, müssten einige Linien in unserem Land gestrichen werden. Dies wäre jedoch ein No-Go, da die LIEmobil und die Regierung eben in erster Linie den ÖV-Grundversorgungsauftrag auf der Basis der Leistungsvereinbarung strikte zu erfüllen haben. Und das oberste Kriterium ist eben, dies kommt bei der Linie 32 klar zum Ausdruck, dass die essenzielle Aufgabe der LIEmobil  in erster Linie darin besteht, die Gemeinden sowie die wichtigsten Knoten miteinander zu verbinden.

  • Die LIEmobil hat zuletzt finanzielle Mittel an den Staat zurückgegeben, während gleichzeitig Verbindungen gestrichen wurden. Ist das ein Widerspruch in der aktuellen Verkehrspolitik Liechtensteins?

JK: In der Leistungsvereinbarung ist seit Jahren im Art.13 festgeschrieben, dass die LIEmobil dem Land Gelder zurückzuerstatten hat, wenn sie diese nicht für die Erfüllung des Service-Public-Auftrages einsetzt. Es ist gerade in diesem Kontext nicht nachvollziehbar, weshalb die LIEmobil zum Beispiel mit dem Geschäftsjahr 2025 rund eine Viertel Million Franken in die Staatskasse zurückzahlte, währenddem sie gleichzeitig mit der Kappung der ÖV-Verbindung Schellenberg-Ruggell einen Grossteil der Schellenberger Bevölkerung vom ÖV buchstäblich abhängte.

  • Die FBP setzt sich allgemein stark für zukunftsgerichtete Mobilitätsformen im Land ein. Wie fügt sich die Diskussion um den Unterländer ÖV-Rundkurs in das übergeordnete Ziel ein, den öffentlichen Verkehr für die Bevölkerung noch attraktiver zu machen?

JK: Schellenberg wird mit dem Fahrplan 2027, welcher ab Mitte Dezember dieses Jahres Gültigkeit haben wird, zwar wieder an den ÖV mit der direkten Verbindung zu Ruggell angeschlossen, doch ist aus den vielen Gesprächen mit Einwohnerinnen und Einwohnern aus Schellenberg und den weiteren Unterländer Gemeinden der immer wieder artikulierte Rundkurs rund um den Eschnerberg herausgewachsen. Es wird nun unser nächstes Ziel sein, in der Kommunikation und den Gesprächen mit den Unterländer Gemeinden, der LIEmobil und Regierung die Optimierung des ÖV im Liechtensteiner Unterland in Form eines «Unterländer ÖV-Rundkurses mit Anbindung zu den Schnittstellen der Hauptlinien» fokussiert anzugehen. Es ist mein und unser Ziel, den ÖV für die Nutzer – Schulkinder, Familien, die ältere Generation, Freizeitkunden sowie das Arbeits- und Berufsklientel – möglichst umweltfreundlich, attraktiv und mit dem Spirit der Begeisterung zu gestalten.

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