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Wenn aus vielen Stimmen eine Gemeinschaft wird

Ein Männerchor im Jahr 2026? Für viele klingt das nach Tradition, Kirchenliedern und einem Auslaufmodell. Ein Besuch bei der Probe des Männerchors Schaan zeigt ein ganz anderes Bild. Zwischen modernen Songs, lockeren Sprüchen und gelebter Kameradschaft wird deutlich, weshalb sich hier seit Jahrzehnten Männer unterschiedlichsten Alters treffen. Und warum diese Gemeinschaft heute vielleicht wertvoller ist denn je.

Es ist Dienstagabend, kurz vor acht. Draussen liegt die Sommerhitze noch über Schaan. Drinnen im Probelokal ist davon nicht viel zu spüren. Nach und nach trudeln die Männer ein. Man begrüsst sich mit Schulterklopfen, tauscht einen lockeren Spruch aus und diskutiert draussen bei der letzten Zigarette über Fussball und strittige Fouls. Wer später dazustösst, reiht sich einfach ein. Punkt acht beginnt die Probe. Die Sänger wissen, wie wichtig es ist, dass alle Stimmen von Anfang an dabei sind. Manchmal kommt das Leben trotzdem dazwischen. «Sorry, ich musste die Kinder noch ins Bett bringen!», sagt Stefan, als er knapp nach acht eintrifft.

In der Ecke steht die Bar «Schneeflucht», seit Jahren Vereinslokal und in Schaan fast schon bekannter als der Chor selbst. Es wirkt eher wie der Treffpunkt guter Freunde als wie ein Proberaum. Von aussen betrachtet wirkt ein Männerchor heute wie ein Relikt aus einer anderen Zeit: ältere Herren, traditionelle Lieder, feste Rituale. Doch dieser Eindruck verfliegt schon nach wenigen Minuten. Auf den Notenblättern sind deutschsprachige Pop- und Schlagersongs, Austropop, Schweizer Pop und Partylieder zu finden. Ganz bewusst keine Kirchenlieder. Seit 2009 nennt sich der Chor «Schlagerprinzen by MCS». Der Name ist Programm.

Es wird ruhig im Raum. «Guten Abend miteinander», begrüsst Chorleiter Mathias Wachter «seine» Männer. Bevor der erste Ton fällt, sieht es eher nach Turnstunde aus: Schultern lockern, Arme abklopfen, ein kollektives «Brrrrrr», bei dem sich niemand zu schade ist für die Grimasse. Zwerchfell aktivieren, ein letztes «Lalalalala» rauf und runter. Dann beginnt die eigentliche Probe. Erst eine Stimme, dann die nächste. «Los, die Frauenstimme», ruft jemand, als Tenor 1 dran ist. Gelächter. Untereinander sind die Männer nicht zimperlich. Ganz anders der Chorleiter. Er hört jeden schiefen Ton, zeigt aber nie mit dem Finger auf den «Übeltäter». Seine Kritik motiviert, statt blosszustellen.

«Wenn alle Stimmen zusammenkommen, entsteht etwas Grossartiges.»

Mathias Wacher, Chorleiter

Eine Stimme allein klingt wenig spektakulär

Was hier entsteht, beschreibt Wachter mit einem Bild, das über die Musik hinausgeht: «Eine einzelne Stimme ist für sich allein oft wenig spektakulär. Erst wenn nach und nach alle Stimmen zusammenkommen, entsteht etwas Grossartiges.» Genauso wachse aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten Schritt für Schritt eine Gemeinschaft. Jeder müsse lernen, sich in den gemeinsamen Klang einzufügen. «Dann entsteht die Magie eines Chors.»

Dass gemeinsames Singen verbindet, ist wissenschaftlich belegt. Schwedische Forscher der Universität Göteborg fanden heraus, dass sich beim Chorsingen der Herzschlag der Sänger synchronisiert. Weil im gleichen Takt geatmet wird, wirkt es auf den Körper ähnlich wie eine bewusste Yoga-Atmung: beruhigend und gut für Herz und Kreislauf. Das bestätigt auch Herbert Steffen, seit 2021 Co-Präsident des Chors: «Nach jeder Probe bin ich wie ausgewechselt. Entspannter, besser drauf – das ist mein wöchentlicher Reset.»

Es ist Dienstagabend, kurz vor acht. Draussen liegt die Sommerhitze noch über Schaan. Drinnen im Probelokal ist davon nicht viel zu spüren. Nach und nach trudeln die Männer ein. Man begrüsst sich mit Schulterklopfen, tauscht einen lockeren Spruch aus und diskutiert draussen bei der letzten Zigarette über Fussball und strittige Fouls. Wer später dazustösst, reiht sich einfach ein. Punkt acht beginnt die Probe. Die Sänger wissen, wie wichtig es ist, dass alle Stimmen von Anfang an dabei sind. Manchmal kommt das Leben trotzdem dazwischen. «Sorry, ich musste die Kinder noch ins Bett bringen!», sagt Stefan, als er knapp nach acht eintrifft.

In der Ecke steht die Bar «Schneeflucht», seit Jahren Vereinslokal und in Schaan fast schon bekannter als der Chor selbst. Es wirkt eher wie der Treffpunkt guter Freunde als wie ein Proberaum. Von aussen betrachtet wirkt ein Männerchor heute wie ein Relikt aus einer anderen Zeit: ältere Herren, traditionelle Lieder, feste Rituale. Doch dieser Eindruck verfliegt schon nach wenigen Minuten. Auf den Notenblättern sind deutschsprachige Pop- und Schlagersongs, Austropop, Schweizer Pop und Partylieder zu finden. Ganz bewusst keine Kirchenlieder. Seit 2009 nennt sich der Chor «Schlagerprinzen by MCS». Der Name ist Programm.

Es wird ruhig im Raum. «Guten Abend miteinander», begrüsst Chorleiter Mathias Wachter «seine» Männer. Bevor der erste Ton fällt, sieht es eher nach Turnstunde aus: Schultern lockern, Arme abklopfen, ein kollektives «Brrrrrr», bei dem sich niemand zu schade ist für die Grimasse. Zwerchfell aktivieren, ein letztes «Lalalalala» rauf und runter. Dann beginnt die eigentliche Probe. Erst eine Stimme, dann die nächste. «Los, die Frauenstimme», ruft jemand, als Tenor 1 dran ist. Gelächter. Untereinander sind die Männer nicht zimperlich. Ganz anders der Chorleiter. Er hört jeden schiefen Ton, zeigt aber nie mit dem Finger auf den «Übeltäter». Seine Kritik motiviert, statt blosszustellen.

«Wenn alle Stimmen zusammenkommen, entsteht etwas Grossartiges.»

Mathias Wacher, Chorleiter

Eine Stimme allein klingt wenig spektakulär

Was hier entsteht, beschreibt Wachter mit einem Bild, das über die Musik hinausgeht: «Eine einzelne Stimme ist für sich allein oft wenig spektakulär. Erst wenn nach und nach alle Stimmen zusammenkommen, entsteht etwas Grossartiges.» Genauso wachse aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten Schritt für Schritt eine Gemeinschaft. Jeder müsse lernen, sich in den gemeinsamen Klang einzufügen. «Dann entsteht die Magie eines Chors.»

Dass gemeinsames Singen verbindet, ist wissenschaftlich belegt. Schwedische Forscher der Universität Göteborg fanden heraus, dass sich beim Chorsingen der Herzschlag der Sänger synchronisiert. Weil im gleichen Takt geatmet wird, wirkt es auf den Körper ähnlich wie eine bewusste Yoga-Atmung: beruhigend und gut für Herz und Kreislauf. Das bestätigt auch Herbert Steffen, seit 2021 Co-Präsident des Chors: «Nach jeder Probe bin ich wie ausgewechselt. Entspannter, besser drauf – das ist mein wöchentlicher Reset.»

Genau diese Gemeinschaft hat auch Hubert Lampert vor über dreissig Jahren überzeugt. Als ihn ein Freund Anfang der 1990er-Jahre zu einem Konzert mitnahm, wollte er zunächst gar nichts von diesem «Kirchenchor» wissen. «Ich wollte auf keinen Fall Teil eines traditionellen Chors sein, der sonntags in der Kirche in der Reihe steht», sagt er. Zu seiner Überraschung standen an dem Abend Beatles-Lieder auf dem Programm. Kurz darauf stand er selbst im Probelokal – das war vor 33 Jahren. In dieser Zeit erlebte er Höhen und Tiefen: Einmal stand der Chor kurz vor dem Aus, als sich ein Grossteil der Mitglieder aufgrund eines Konflikts verabschiedete. Für Hubert war die Auflösung aber keine Option. 2011 übernahm er das Präsidium und brachte ein neues Konzept: weg vom Klischee, hin zu deutschsprachigem Pop und Schlager. Die «Schlagerprinzen» waren geboren. «Auch wenn wir keine Prinzen mehr sind und einige von uns Prinzenrollen haben», ergänzt der Co-Präsident mit einem Zwinkern. Das neue Konzept lockte schnell neue Sänger an, die sich sonst nie für einen Chor interessiert hätten. 2021 übergab Hubert das Präsidium an Herbert Steffen und Remo Mairhofer, die sich das Amt bis heute teilen.

Freundschaften, die über die Probe hinausgehen

Der Männerchor gehört zu den ältesten Vereinen Liechtensteins, gegründet 1870. Dass er 155 Jahre und mehrere Beinahe-Auflösungen überstanden hat, liegt wohl daran, dass er sich immer wieder neu erfunden hat.

Und die Gemeinschaft endet nicht an der Tür des Probelokals. Steffen erzählt von einer Gruppe, die seit Jahren gemeinsam zum Hahnenkamm-Rennen nach Kitzbühel fährt, von EM-Abenden vor dem Beamer im Probelokal, von Einladungen zu Hochzeiten nach Norddeutschland. Wenn jemand Unterstützung braucht, versucht der Chor zu helfen – «weil sich das über die Jahre einfach so entwickelt hat». Nach der Probe bleiben viele noch an der «Schneeflucht». Bier, Toast, Gespräche über alles Mögliche – nur selten über Politik.

Ganz sorgenfrei ist die Zukunft trotzdem nicht. «Die Auswahl an Freizeitangeboten ist heute so gross wie nie», sagt Steffen. Viele Menschen wollen sich nicht mehr langfristig binden. Fehlen an einem Dienstag mehrere Sänger, wird das Proben zur kleinen Herausforderung. «Es ist schwierig, ohne Bass zu proben.» Die Mitgliederzahlen bereiten ihm die grösste Sorge – «das Hauptproblem aller Chöre im Land».

Stillstand ist trotzdem keine Option. Der Chor möchte künftig wieder vermehrt a cappella singen, ohne Playback. Ausserdem ist ein Schnupperkurs geplant, der den Männern die Hemmschwelle nehmen und als Türöffner dienen soll. «Alle können singen – manche besser als andere. Man muss sich nur trauen», sagt Steffen.

Zum Schluss der Probe an diesem Abend singen die Männer «Applaus, Applaus» von den Sportfreunden Stiller. Ein passendes Schlusslied: Der Männerchor Schaan zeigt, dass aus vielen Stimmen – und vielen unterschiedlichen Leben – eine Gemeinschaft werden kann, die es in dieser Form immer seltener gibt. Und das hat definitiv einen Applaus verdient.

((Info-Box))

  • Probe                 Jeweils dienstags, 20 Uhr, im Resch in Schaan
  • E-Mail                herbert.steffen@proton.me
  • Tel.                       +423 791 44 22
  • Website            maennerchor-schaan.li

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