Wer die Ausstellung «Feuer & Wasser» im Gasometer besucht, merkt schnell: Hier geht es um weit mehr als historische Helme, alte Löschgeräte oder spektakuläre Brände. Die Jubiläumsausstellung zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Triesen erzählt vor allem von Menschen. Von Frauen und Männern, die seit Generationen bereitstehen, wenn andere Hilfe brauchen. Mehr als 600 Besucherinnen und Besucher haben die Ausstellung seit ihrer Eröffnung bereits gesehen. Auf drei Stockwerken spannt sich ein Bogen von den Anfängen der Feuerwehr bis in die Gegenwart. Alte Dokumente, historische Fotos, technische Entwicklungen und bedeutende Einsätze zeigen eindrücklich, wie sich die Organisation in den vergangenen 125 Jahren verändert hat.
Einer, der diese Geschichte wie kaum ein anderer kennt, ist Hans-Rainer Miller. Seit 46 Jahren gehört er der Feuerwehr Triesen an. Für das Jubiläum hat er gemeinsam mit einem fünfköpfigen Redaktionsteam ein neues Buch verfasst, das die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre dokumentiert. «Wir wollten nicht einfach wiederholen, was bereits im Buch zum 100-Jahr-Jubiläum festgehalten wurde. Deshalb haben wir uns entschieden, die Jahre von 2001 bis 2026 aufzuarbeiten und damit die Geschichte sinnvoll weiterzuschreiben», erklärt Miller. «Die Feuerwehr ist viel mehr als eine Organisation für Brände. Sie ist Teil des Dorflebens, begleitet Generationen und verbindet Menschen. Wer die Geschichte der Feuerwehr erzählt, erzählt immer auch ein Stück Geschichte von Triesen selbst.»
Als Brände ein Dorf zum Handeln zwangen
Der Ursprung der Feuerwehr liegt in einer Zeit, als Feuer ganze Existenzen vernichten konnte. Besonders das Gebiet rund um den Winkel zwischen Gabont, Gässle und Dorfstrasse wurde immer wieder von schweren Bränden heimgesucht. Einer dieser Grossbrände gab schliesslich den entscheidenden Anstoss zur Gründung einer organisierten Feuerwehr.
Damals war die Begeisterung allerdings nicht überall gross. Viele Männer arbeiteten in der Landwirtschaft und mussten neben ihrem Alltag zusätzliche Verpflichtungen übernehmen. «Feuerwehrdienst war damals nicht unbedingt das, worauf alle gewartet haben», sagt Miller schmunzelnd. Dennoch habe sich rasch gezeigt, wie wichtig die neue Organisation war. Bereits wenige Jahre später musste sie sich bei einem verheerenden Brand bewähren, bei dem zahlreiche Gebäude zerstört wurden. Heute erinnert die Ausstellung an diese Ereignisse und zeigt eindrücklich, unter welchen Bedingungen früher gelöscht wurde. Wasser musste mühsam herangeschafft werden, moderne Infrastruktur gab es nicht.
Vom Kübel zum Hightech-Einsatzfahrzeug
Ein zentrales Thema der Ausstellung ist die technische Entwicklung. Was einst mit Kübeln, Handspritzen und einfachen Löschgeräten begann, hat sich zu einer hochprofessionellen Einsatzorganisation entwickelt. Besonders sichtbar wird dieser Wandel beim Thema Wasserversorgung. Während früher Wasser aus Bächen oder von den Bergen geholt werden musste, verfügt die Gemeinde heute über ein dichtes Hydrantennetz und leistungsfähige Reservoire.
«Heute haben wir praktisch überall genügend Wasser zur Verfügung. Das ist ein riesiger Unterschied zu früher», sagt Miller. Auch die Ausrüstung hat sich kontinuierlich verändert. Moderne Fahrzeuge, neue Rettungstechniken und digitale Hilfsmittel prägen den Feuerwehralltag. Für die Einsatzkräfte bedeutet das jedoch auch ständige Weiterbildung. Die Feuerwehr Triesen zählt derzeit 67 Mitglieder, darunter drei Frauen. Für Miller zeigt diese Entwicklung, dass sich die Organisation laufend verändert und den gesellschaftlichen Wandel mitträgt.
Viel mehr als Brände löschen
Wer an Feuerwehr denkt, denkt meist an brennende Häuser. Tatsächlich machen Brände heute jedoch nur einen Teil der Einsätze aus. Die Feuerwehr wird bei Verkehrsunfällen aufgeboten, sichert Unfallstellen, hilft bei Ölspuren und technischen Hilfeleistungen oder befreit Personen aus steckengebliebenen Liften. Auch bei Unwettern und Naturereignissen sind die Einsatzkräfte gefordert.
Miller erinnert sich an den Rüfeniedergang, bei dem die Feuerwehr mehrere Tage hintereinander im Dauereinsatz stand. Ebenso prägend waren verschiedene Grossbrände der vergangenen Jahre, darunter Einsätze im Bereich Gapont oder beim Garnetschhof. «Wenn etwas passiert, weiss man oft nicht, wie lange ein Einsatz dauern wird. Man geht hin und hilft, solange es nötig ist.»
Daneben erfüllt die Feuerwehr aber auch eine wichtige soziale Funktion. Gemeinsame Übungen mit dem Samariterverein, Vereinsanlässe, Theaterabende und traditionelle Dorfveranstaltungen gehören ebenso dazu wie die eigentlichen Einsätze.
Ein Buch als Zeitzeugnis
Das neue Jubiläumsbuch umfasst 80 reich bebilderte Seiten und entstand im Laufe eines Jahres in ehrenamtlicher Arbeit. Gemeinsam mit Fredy Kindle, André Ogg, Günther Hoch, Mario Negele und Esther Eggenberger verfasste Hans-Rainer Miller Texte, suchte passende Bilder und Erinnerungen. Die Erstellung eines Buches sei heute zwar einfacher als noch vor 25 Jahren, erzählt er. Viele Fotos seien digital vorhanden gewesen. Trotzdem habe das Projekt viel Koordination verlangt.
«Die grösste Herausforderung war eigentlich, alle Beiträge rechtzeitig zusammenzubringen. Aber das Redaktionsteam hat hervorragend funktioniert.» Entstanden ist ein Werk, das nicht nur Einsätze und Fahrzeuge dokumentiert, sondern auch die Menschen hinter der Uniform sichtbar macht. Es erzählt von Kameradschaft, Verantwortung und einem freiwilligen Engagement, das seit 125 Jahren das Rückgrat der Feuerwehr bildet.
Dass Ausstellung und Buch so grossen Anklang finden, freut Miller besonders. Finanziert wurden beide Projekte hauptsächlich durch die Feuerwehr selbst sowie mit grosser Unterstützung der Gemeinde. Für ihn ist das Jubiläum deshalb weit mehr als ein Rückblick. «Man schaut zurück, um zu verstehen, wie alles begonnen hat. Gleichzeitig sieht man, wie viel sich verändert hat und wie gut die Feuerwehr heute aufgestellt ist. Genau das wollten wir zeigen.» Und so wird im Gasometer nicht nur Geschichte ausgestellt. Dort wird sichtbar, was eine Feuerwehr über Generationen hinweg ausmacht: Einsatzbereitschaft, Zusammenhalt und die Gewissheit, dass Hilfe niemals selbstverständlich ist.
Zitat:
«Wenn man 125 Jahre Feuerwehrgeschichte betrachtet, sieht man nicht nur Brände, Fahrzeuge oder Ausrüstung. Man sieht Menschen, die Verantwortung übernehmen, zusammenhalten und sich freiwillig für andere einsetzen. Genau dieser Gemeinschaftsgeist hat die Feuerwehr Triesen über Generationen geprägt.» – Hans-Rainer Miller
Bildlegende Feuerwehr Triesen:
Die 67 Mitglieder der Feuerwehr Triesen, darunter drei Frauen, sorgen für Sicherheit in der Gemeinde und engagieren sich auch im Dorfleben. Ein Höhepunkt im Jahresprogramm ist jeweils der Theaterabend im April. (Bild: zvg)
Bildlegende Bildcollage mit den Bildern mit HR Miller:
Hans-Rainer Miller präsentiert Exponate der Jubiläumsausstellung «Feuer und Wasser» im Kulturzentrum Gasometer. Interaktive Stationen, Einblicke in Einsätze und Technik sowie persönliche Geschichten zeigen die vielfältige Arbeit der Feuerwehr Triesen.
Bildlegende Bücher Feuerwehr:
Das Buch «125 Jahre Feuerwehr Triesen» kostet 30 Franken. Der passende Schuber ist für 5 Franken erhältlich. Zusammen mit dem Buch «100 Jahre Feuerwehr Triesen» kostet das Set 50 Franken. Erhältlich ist es in der Ausstellung im Gasometer oder per Bestellung bei der Feuerwehr Triesen unter bestellung@feuerwehr-triesen.li. (Bild: zvg)
Ausstellung im Entspurt
Die Jubiläumsausstellung «Feuer und Wasser» im Kulturzentrum Gasometer ist noch bis 28. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag von 16 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.
Am Freitag, 26. Juni, findet ab 17 Uhr ein Feierabendbier mit Bewirtung statt. Um 18.30 Uhr folgt der Themenabend «Die Feuerwehr Triesen im Wandel der Zeit».
Die Finissage wird am Sonntag, 28. Juni, von 14 bis 18 Uhr gefeiert. Um 15 Uhr erfolgt die Auslosung des Wettbewerbs.













