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Das verletzliche Biest: Emotionale Dokumentarfilm Premiere im Alten Kino Vaduz

Ein Hauch von internationalem Starkult und tiefen menschlichen Emotionen wehte durch Vaduz: Mit der Premiere von „Taming the Beast“ erlebten die Zuschauer im Alten Kino eine berührende Dokumentation über Eddie Hall, den einst stärksten Mann der Welt. Neben Regisseur und Produzent Guido Baechler, die vor Ort Einblicke in die achtjährige Entstehungsgeschichte gaben, wurde der britische Ausnahmeathlet per Video live zugeschaltet. Ein Abend, der ein bittersüßes Porträt zwischen absolutem Triumph und mentalen Abgründen zeichnete.

VADUZ – Es war ein unvergesslicher Abend für die liechtensteinischen Filmliebhaber, der mit einer persönlichen Vorstellung des Künstlers und Regisseurs Guido Baechler begann. Wer eine klassische, laute Dokumentation über den reinen Kraftsport erwartet hatte, wurde im Alten Kino Vaduz schnell eines Besseren belehrt. „Taming the Beast“ ist kein bloßer Actionfilm über Muskelmassen, es ist ein tief bewegendes, hoch emotionales Familiendrama und das intime Psychogramm eines Mannes, der für seinen Traum alles riskierte und fast daran zerbrach.

Ein Versprechen an die Großmutter und Blut auf der Rollbahn

Der Film beleuchtet das monumentale Leben von Eddie Hall, jenem Mann, der die Arena zur Showbühne macht und als „The Beast“ (Das Biest) weltweit Legendenstatus genießt. Unvergessen bleibt die Szene, in der er als erster Mensch eine halbe Tonne, 500 Kilogramm vom Boden hob. Doch der Film zeigt schonungslos den Preis dieses Erfolgs: Während der extremen körperlichen Anspannung schoss Hall das Blut aus der Nase. Es waren traumatische Erlebnisse und düstere Gedanken aus seiner Vergangenheit, die ihn in den Wettkämpfen zu Höchstleistungen trieben.

Halls Weg an die Weltspitze war maßgeblich von einer Person geprägt: seiner Großmutter. Sie war die Begleitperson, die sein Leben am meisten beeinflusste und ihn bedingungslos unterstützte. Ihr gab er das heilige Versprechen, den Titel „World’s Strongest Man“ zu gewinnen. Dieses Versprechen wurde zu seiner Obsession. Doch nur fünf Wochen vor dem geschichtsträchtigen Wettkampf im Jahr 2017 erlitt Eddie Hall fast einen Herzinfarkt. Als er während des Turniers die gigantische Flugzeug-Aufgabe absolvieren musste, brach er auf der Rollbahn zusammen. In diesem Moment wurde dem scheinbar Unbesiegbaren klar: Das Biest ist nicht unverwundbar. Das Biest kann sterben.

Trotz des Zusammenbruchs mobilisierte er im finalen Spiel, das dem gesamten Körper alles abverlangte, die letzten Reserven. Eddie Hall schaffte das Unmögliche: Er wurde „World’s Strongest Man 2017“. Die Szene im Film, in der er den Blick gen Himmel richtet, rührte das Publikum in Vaduz sichtlich: „Danke Oma. Du hast mir Kraft gegeben. Ich liebe dich. Ich habe es geschafft.“ Ein unbeschreibliches Gefühl für Hall, das ihm ein nie dagewesenes Selbstwertgefühl schenkte. Gleichzeitig markierte es einen Wendepunkt: „Jetzt kann ich endlich ein Mann und ein Vater sein. Das alles hat mich so viel Zeit und Kraft gekostet.“

Die Last der Familie und die Leere nach dem Sieg

Besonders intensiv widmet sich die Dokumentation, in der auch Eddies Eltern und seine Ärztin offen zu Wort kommen, dem Familienleben. Seine Ehefrau, die als Friseurin arbeitet, managte von zu Hause aus den gesamten Haushalt und die Kinder, während Eddie morgens um sieben Uhr das Haus verließ und oft erst um halb zehn Uhr abends erschöpft zurückkehrte. Als die Belastungsgrenze erreicht war und seine Frau gehen wollte, bat er sie: „Lass mich das gewinnen, und ich komme zurück und bin dann für euch da.“

Doch der ersehnte Triumph brachte nicht die sofortige Erlösung. Nach dem Sieg fiel Hall in ein tiefes Loch. Er hatte keine Hobbys, keinen normalen Alltag und fühlte sich schlagartig unerfüllt. Der Film thematisiert offen seine Jugend: Schon mit 13 Jahren verlor er den Halt, flog aus dem Schwimmteam und verlor seine geliebte Großmutter. Bereits als Teenager litt er unter schweren Depressionen und hegte Suizidgedanken, Dämonen, die ihn immer wieder einholten.

Heute blickt Eddie mit gemischten Gefühlen auf seinen Sohn Max, den er als sein „Mini-Me“ bezeichnet und der bereits mit ihm trainiert: „Ich sehe mich in meinem Sohn. Ich habe verdammte Angst davor, dass er derselbe unglückliche 14-jährige Junge wird, der ich einst war“, gesteht Hall bewegt. Seine Ehefrau blieb dabei all die Jahre sein unersetzlicher Fels in der Brandung, die ihn auffing, begleitete und trug.

Spannendes Publikumgespräch (Q&A) mit Guido Baechler

Im anschliessenden, äusserst spannenden Publikumsgespräch mit Regisseur Guido Baechler erfuhren die Zuschauer im Alten Kino exklusive Hintergrunddetails. Auf die Frage, warum die Produktion insgesamt acht Jahre dauerte, erklärte Baechler, dass unter anderem die Pandemie die Dreharbeiten komplett lahmgelegt hatte. Erst ein spontaner und entschlossener Anruf bei den Partnern in Kanada ermöglichte es, den Film endlich fertigzustellen.

Baechler teilte zudem humorvolle Anekdoten aus der Drehzeit in der Schweiz: So war er mit Eddie in Luzern und Weggis am See wandern, ein logistischer Kraftakt, wenn man bedenkt, dass das Biest täglich unfassbare 13.000 Kalorien zu sich nehmen muss. Während des Drehs am See gab es zudem eine Überraschung: DJ ALAN, Hangover crashte den Dreh. Ein Kurzfilm brachte das Publikum zum lachen.

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