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Wenn die Stimmen verstummen, wie viel Medienvielfalt verliert Liechtenstein noch?

Gestern Abend wurde im Gemeindesaal Triesen nicht einfach nur diskutiert. Es ging um etwas Grösseres. Um Vertrauen. Um Demokratie. Um die Frage, wie gut informiert Liechtenstein in Zukunft überhaupt noch sein wird.

Beim Live-Podcast von Podcasthus.li mit dem Titel «Wie gut informiert ist Liechtenstein?» wurde deutlich: Viele Menschen spüren, dass sich die Medienlandschaft unseres Landes dramatisch verändert hat. Das Ende von Radio Liechtenstein und das Aus des «Volksblatts» haben tiefe Spuren hinterlassen. Nicht nur wirtschaftlich oder politisch, sondern emotional.

Denn Medien sind mehr als Schlagzeilen und Nachrichten. Sie begleiten den Alltag. Sie verbinden Menschen. Sie geben Orientierung. Und sie geben einer Gesellschaft ihre Stimme.

Im voll besetzten Saal diskutierten Medienminister Hubert Büchel, die Schweizer Journalistin Henriette Engbersen und ORF-Vorarlberg-Landesdirektor Markus Klement über die Zukunft unabhängiger Medien in Liechtenstein. Trotz unterschiedlicher Ansichten herrschte in einem Punkt völlige Einigkeit: Eine Demokratie kann ohne starke und vielfältige Medien nicht funktionieren.

Besonders eindringlich waren die Worte von Markus Klement. Der Verlust von Radio Liechtenstein sei nicht einfach nur das Ende eines Senders gewesen. «Man hat der liechtensteinischen Seele ein bisschen das Herz herausgerissen», sagte er. Ein Satz, der im Saal spürbar nachhallte. Gerade in einem kleinen Land wie Liechtenstein sei Medienvielfalt besonders wichtig. Denn wenn nur noch wenige Stimmen übrig bleiben, wird die Gefahr gross, dass Meinungen einseitig werden und kritische Fragen verstummen.

Die Regierung versucht nun gegenzusteuern. Neue Projekte wie die Onlineplattform «Lie24» oder die Gratis-Monatszeitschrift inkl Onlineplattform «Der Stammtisch» erhalten finanzielle Unterstützung. Medienminister Hubert Büchel sprach von «ersten zarten Pflänzchen», die auf einer einstigen «Geröllhalde» der Medienlandschaft wieder wachsen würden.

Doch viele fragen sich:
Reicht das wirklich aus?

Denn Qualitätsjournalismus entsteht nicht nebenbei. Gute Recherche braucht Zeit, Erfahrung und Geld. Sie braucht Journalistinnen und Journalisten, die unabhängig arbeiten können – ohne politischen oder wirtschaftlichen Druck. Ein weiteres Problem wurde gestern ebenfalls offen angesprochen: Rund 80 Prozent der staatlichen Medienförderung gehen derzeit an einen einzigen Anbieter, das Vaduzer Medienhaus mit dem «Liechtensteiner Vaterland». Für viele Experten ist das eine gefährliche Entwicklung.

Gerald Hosp von der Stiftung Zukunft.li warnte vor einem faktischen Medienmonopol. Die Stiftung schlägt deshalb neue Modelle vor, damit unabhängige Medien künftig breiter und fairer unterstützt werden können – ohne direkten politischen Einfluss.

Auch Henriette Engbersen von der SRG richtete einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung. In Zeiten von Fake News, Deep Fakes und Social Media könnten viele Menschen kaum noch unterscheiden, was echter Journalismus sei und was reine Meinung oder Manipulation.

«Wo Qualitätsmedien stark sind, ist auch der gesellschaftliche Zusammenhalt stärker», sagte sie.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Abends.

Medien sind kein Luxus. Kein «nice to have». Sie sind das Fundament einer freien Gesellschaft. Ohne kritische Berichterstattung, ohne verschiedene Meinungen und ohne unabhängige Stimmen verliert eine Demokratie langsam ihre Stärke.

Die Diskussion in Triesen hat gezeigt:
Es geht längst nicht mehr nur um Zeitungen, Radiosender oder Onlineportale. Es geht um die Zukunft unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Und um die Frage, in welchem Liechtenstein wir morgen leben wollen.

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