Eine Woche, sechs Abende, unzählige Stilrichtungen: Das Schpektakel Vaduz will genau das sein, was der Name verspricht – ein kulturelles Spektakel. Vom Appenzeller Hackbrett über Chorgesang bis zur Dart-Nacht reicht die Abwechslung. Was auf den ersten Blick kaum zusammenpassen will, ist für Organisator Georges Lüchinger genau die Idee hinter dem neuen Festivalformat.
„Das Schpektakel ist im Grunde ein wöchentliches Festival“, sagt Lüchinger. „Von Montag bis Samstag passiert jeden Abend etwas völlig anderes.“ Der Ansatz sei bewusst breit gewählt worden: „Wir wollten einen Querschnitt schaffen – eine konzentrierte Form von ganz unterschiedlichen Kultur- und Freizeitangeboten.“ Dabei gehe es nicht nur darum, Bewährtes zu präsentieren. „Die einzelnen Module versuchen wir so zu gestalten, wie es sie vielleicht in dieser Form noch gar nicht gegeben hat.“ Dass dabei scheinbar Gegensätzliches aufeinandertreffen kann, ist Absicht. Appenzeller Volksmusik steht neben Kabarett, ein Chorabend neben einer Dart-Nacht. „Es sind Events, die vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassen“, sagt Lüchinger und lacht. „Aber genau das macht den Reiz aus.“
Eine Bühne mit vielen Möglichkeiten
Als Zentrum des Festivals dient der Vaduzer Saal – eine Location, von der Lüchinger regelrecht schwärmt. „Wir haben eine unglaublich gute Infrastruktur hier. Mit der neuen Beleuchtung, den Garderoben, der grossen Küche – eigentlich ist alles unter einem Dach.“ Der Saal eröffne Möglichkeiten, die viele gar nicht kennen. „Mit der neuen Lichttechnik kannst du im Raum jede Stimmung erzeugen. Früher musste man viel Dekoration aufbauen, um Farbe hineinzubringen. Heute lässt sich das über die Beleuchtung lösen.“ Auch die Akustik sei ein grosser Pluspunkt. „Der Vaduzer Saal hat eine unglaubliche Akustik. Und mit dem Kellertheater, den Garderoben und dem Parkhaus nebenan hast du perfekte Bedingungen. Entsprechend danken wir der Gemeinde Vaduz sehr für deren Unterstützung.“
Ein Festival für die Region
Von Anfang an war klar, dass das Schpektakel über Vaduz hinaus wirken soll. „Wir wollten eine Veranstaltung schaffen, die für die ganze Region interessant ist“, erklärt Lüchinger. Deshalb wird auch das begleitende Magazin „Momentum“ weit über die Landesgrenzen verteilt – von Bad Ragaz bis Widnau, ins Werdenberg und ins vordere Toggenburg.
Denn kulturelle Bewegungen verlaufen oft nur in eine Richtung. „Wir fahren nach Zürich an Konzerte – aber die Zürcher kommen selten zu uns“, sagt Lüchinger. „Ausnahmen sind vielleicht grosse Veranstaltungen wie Vaduz Classic.“ Das Schpektakel soll daher ein Angebot schaffen, das auch überregional Aufmerksamkeit erzeugt – und dank Indoor-Format unabhängig vom Wetter bleibt.
Zufall führt zur Legende
Ein Höhepunkt der Woche steht schon jetzt fest: der Auftritt von Peter Kraus. Dass der 87-jährige Rock’n’Roll-Pionier überhaupt nach Vaduz kommt, ist einer dieser glücklichen Zufälle, die Geschichten schreiben. „Ich kam mit Stefan Dürr, dem Schaaner Unternehmer und ehemaligen Präsidenten des Skiverbands, ins Gespräch über sein Auto“, erzählt Lüchinger schmunzelnd. „Ein schnittiges Cabrio, das er von Peter Kraus gekauft hatte.“ Aus dem Gespräch entwickelte sich eine Idee. Dürr ist mit Kraus befreundet und stellte den Kontakt her.
„Ich wollte ihn schon lange einmal ins Land holen“, sagt Lüchinger. „Dann hatte ich plötzlich seine Handynummer.“ Obwohl Kraus eigentlich keine Tourneen mehr macht, war er sofort interessiert. „Als ich ihm von der Idee eines Legenden-Abends in Vaduz erzählte, war er Feuer und Flamme.“ Dabei kennt der Künstler das Fürstentum durchaus – privat war er schon hier. „Aber offiziell ist er in über 70 Jahren Karriere noch nie in Liechtenstein aufgetreten“, sagt Lüchinger. „Das macht diesen Abend so besonders.“
Rock’n’Roll trifft auf Chorgesang
Das Programm der Woche liest sich wie eine kulturelle Reise durch unterschiedlichste Genres. Gleich am ersten Abend treffen Jodelklänge auf moderne Volksmusik. „Das Bergwaldchörli ist grandios“, sagt Lüchinger. „Sie jodeln natürlich, aber sie singen auch englische Songs – und das in einer unglaublichen Qualität.“ Mit dabei ist auch der Hackbrett-Virtuose Nicolas Senn, den Lüchinger kurzerhand als „Weltstar auf seinem Instrument“ bezeichnet.
Am Dienstag wird es humorvoll: Der Kabarettist Markus Linder gestaltet den Comedy-Abend gemeinsam mit dem Comedian und Zauberer Michel Gammenthaler. Ein emotionaler Höhepunkt folgt beim Festival der Chöre. „Das ist gleichzeitig unser Benefizabend“, erklärt Lüchinger. Der Erlös wird an die Liechtensteiner LIACHT-Stiftung übergeben. Mit dabei sind unter anderem der Vorarlberger Chorleiter Oskar Egle und der Liechtensteiner Musiker Christian Nipp. Ganz andere Töne schlägt die Dart-Nacht am Freitag an. Hier treten internationale Spieler an – darunter auch Stefan Bellmont, der erste Schweizer, der bei einer WM im Ally Pally dabei war und dabei gleich Historisches geschafft hat: Der 37-jährige Chamer „Belli“ besiegte in der ersten Runde der letzten WM im Alexandra Palace in London den vierfachen Weltmeister und die Darts-Legende Raymond van Barneveld sensationell mit 3:0. „Die Dartfans flippen aus“, sagt Lüchinger. „Und vielleicht können sie mit Appenzeller Musik nichts anfangen – aber genau darum geht es ja.“
Party, Nostalgie und ein Pilotprojekt
Der Samstag gehört einer grossen Blasmusik-Showband, bevor DJ Fredy Dee den Saal in eine 60-plus-Party verwandelt. „Wenn Fredy mit Sonnenbrille hinter dem Pult steht, weiss ich: Das wird ein verdammt guter Abend“, sagt Lüchinger.
Trotz aller Begeisterung bleibt das Festival zunächst ein Experiment. „Wir machen einen Pilot und wollen daraus lernen“, betont er. Einzelne Tickets statt Festivalpass, enge Zusammenarbeit mit dem TAK beim Ticketing und professionelle Partner in Technik und Gastronomie sollen helfen, Erfahrungen zu sammeln. Eines ist für Lüchinger jedoch schon jetzt entscheidend: „Am Ende soll jeder Besucher sagen können: Das war ein cooler Abend.“
Zitat
«Mit meiner Band stehen sieben Leute auf der Bühne und spielen live ohne Trickkiste oder Zuspielung. Ich komme auf die Bühne und singe zwei Stunden. Und das Programm wird eine grosse Auswahl aus alten Hits sein von Rock’n’Roll über Schlager bis Blues mit zwischendurch ein paar Geschichten, die ich erzähle.»
Peter Kraus
Bildlegende Georges
Georges Lüchinger: „Wir bringen Dinge zusammen, die man normalerweise nicht in einer Woche erwarten würde – Jodeln, Kabarett, Chorgesang, Rock’n’Roll oder eine Dart-Nacht.“
Bildlegende Kraus
Peter Kraus: „Bei mir kommen keine Luftballons herunter, es gibt keinen Nebel, und ich schwebe auch nicht an einem Seil auf die Bühne. Ich unterhalte das Publikum zwei Stunden lang mit Rock’n’Roll, Schlager und Blues.“
Programm Schpektakel 2026
Festivalwoche im Vaduzer-Saal
04. Mai, Montag: Appezöll säd Hoi
05. Mai, Dienstag: Comedy – der Gipfel
06. Mai, Mittwoch: Legende in Vaduz – Peter Kraus
07. Mai, Donnerstag: Festival der Chöre
08. Mai, Freitag: Princely Darts Open
09. Mai, Samstag: «Blasmusik meets Disco»
Weitere Details unter schpektakel.li













